Große DLRG Jugendübung an der Abens
Samstagmorgen, halb zehn. Sieben DLRG-Einsatzfahrzeuge treffen am alten Kurpark in Bad Gögging ein. Knapp 30 Personen in Einsatzausrüstung, mit Neoprenanzug, Rettungsweste und Helm versammeln sich vor dem Maibaum und besprechen den weiteren Ablauf. Was auf den ersten Blick wie ein großer Wasserrettungseinsatz wirkt, ist in Wirklichkeit der Startschuss des zweiten Bezirks-JET-Ausbildungstages der DLRG-Jugend Niederbayern am 18. Juli 2026.
20 Jugendliche aus ganz Niederbayern trafen sich an der Abens, um ihre Kenntnisse in der die Wasserrettung zu erweitern und erste Erfahrungen zu sammeln.
Der Bezirks-JET-Ausbildungstag wurde 2025 von der DLRG-Jugend Niederbayern ins Leben gerufen und wird seitdem von ihr organisiert. Ziel ist es, Jugendliche praxisnah auf den Wasserrettungsdienst vorzubereiten und gleichzeitig den Austausch zwischen den Ortsverbänden zu fördern. Denn spätestens bei bezirksweiten oder überregionalen Einsätzen arbeiten Einsatzkräfte aus ganz Niederbayern zusammen – umso wichtiger ist es, sich bereits während der Ausbildung kennenzulernen und gemeinsam Erfahrungen zu sammeln.
Raft, StandUp-Paddle und Strömungsrettung am Vormittag
Der Vormittag bestand aus vier Ausbildungsstationen, an denen erfahrene DLRG-Einsatzkräfte ihr Wissen weitergaben und den Jugendlichen praktische Erfahrung ermöglichten.
An einer Station übten die Nachwuchsretterinnen und Nachwuchsretter den sicheren Umgang mit einem Stand-Up-Paddle-Board (SUP). Dabei lernten sie nicht nur das Fahren mit dem Board, sondern auch, wie verunfallte Personen damit möglichst sicher erreicht und transportiert werden können. Gerade in flachen oder schwer zugänglichen Gewässerbereichen stellt das SUP ein schnelles und vielseitiges Rettungsmittel dar.
An einer weiteren Station stand das Raft im Mittelpunkt. Hier war vor allem Teamarbeit gefragt, denn nur mit abgestimmten Paddelschlägen lässt sich das Boot sicher manövrieren.
Rafts werden in der Wasserrettung insbesondere dort eingesetzt, wo Boote aufgrund des Wasserstandes oder Unterwasserhindernissen nicht mehr eingesetzt werden können.
„Uferböschungen, hoher Bewuchs und nasse Steine werden oft unterschätzt.“
Auch die Strömungsrettung führten die Jugendlichen selbst durch: Nach einem gemeinsamen Partner-Check der persönlichen Schutzausrüstung ging es direkt ins Wasser. Dort lernten die Jugendlichen, grundlegende Techniken, um sich sicher in fließendem Gewässer zu bewegen, Gefahren richtig einzuschätzen und Personen aus der Strömung zu retten.
Abgerundet wurde das Stationenangebot durch verschiedene Techniken um Personen sicher und schonend an Land zu bringen. Denn auch das will gelernt sein. Mit unterschiedlichen Tragegriffen sowie Hilfsmitteln wie dem CombiCarrier oder dem Gurtretter übten die Jugendlichen, wie verletzte oder erschöpfte Personen möglichst schonend aus dem Wasser gebracht werden können.
„Uferböschungen, hoher Bewuchs und nasse Steine werden oft unterschätzt – da eine Person mit 70, 80 Kilo sicher hinauszubekommen erfordert Teamwork und das nötige Wissen um die richtige Technik.“, weiß Ausbilder und Mit-Initiator Tobias Ramesberger.
Von der Übung zum Einsatz
Nach einer gemeinsamen Mittagspause wurde aus der Ausbildung Ernst – zumindest fast. In zwei realitätsnahen Einsatzübungen mussten die Jugendlichen das Gelernte erstmals unter möglichst einsatznahen Bedingungen anwenden. Dabei wurden alle Ausbildungsstationen miteinander verknüpft und die Teilnehmenden standen vor Herausforderungen, wie sie auch im Wasserrettungsdienst auftreten können.
Im ersten Szenario galt es, eine vermisste Person zu suchen und im weiteren Verlauf mehrere weitere betroffene Personen zu retten und zu versorgen. Dazu suchten die Jugendlichen den gesamten Flusslauf mit SUPs, Rettungsbrettern, dem Raft und von Land aus ab. Betroffene wurden im Wasser ausfindig gemacht und mit vereinten Kräften an Land gebracht, wo sie weitere Versorgung erhielten. Das zweite Szenario stellte die Teilnehmenden vor die Aufgabe, mehrere Personen gleichzeitig aus dem Wasser zu retten.
„Nachbesprechungen helfen dabei Erfahrungen nachhaltig zu festigen.“
Die Ausbilderinnen und Ausbilder des Vormittags übernahmen dabei die Rolle der Mimen und sorgten so für möglichst realitätsnahe Einsatzbedingungen. Nach einer fiktiven Explosion war eine Gruppe Jugendlicher in Panik geraten und in Wassernot geraten. So war eine Person über das Brückengeländer gefallen, während andere auf einem Stein im Flusslauf ausharrten oder an der Uferböschung ins Wasser gestürzt waren. Auch in dieser Situation meisterten die Nachwuchsretter die verschiedenen Herausforderungen und konnten alle Betroffenen retten. Im Anschluss an jede Übung erhielten die Jugendlichen direktes Feedback zu ihrem Vorgehen. Gemeinsam wurden Entscheidungen reflektiert, positive Abläufe hervorgehoben und Verbesserungsmöglichkeiten besprochen. „Gerade diese Nachbesprechungen sind ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung und helfen dabei, Erfahrungen nachhaltig zu festigen.“, betont Kerstin Kallmünzer, Leiterin Ausbildung der DLRG Niederbayern und Mit-Initiatorin des JET-Ausbildungstages.
Mehr als nur Ausbildung
Der JET-Ausbildungstag steht jedoch nicht nur für die Vermittlung fachlicher Inhalte. Ein ebenso wichtiges Ziel der DLRG-Jugend Niederbayern ist es, Jugendliche aus den verschiedenen Ortsverbänden zusammenzubringen und den Zusammenhalt innerhalb des Bezirks zu stärken. „Kameradschaft, Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, sowohl während der Ausbildung als auch später im Einsatz.“, unterstreicht Tobias Meinzer, Leiter Einsatz der DLRG Niederbayern.
Ein solcher Ausbildungstag wäre ohne das große ehrenamtliche Engagement nicht möglich. Ein rund 15-köpfiges Team aus erfahrenen Einsatzkräften und Jugendleitern betreute die Ausbildungsstationen, unterstützte die Einsatzübungen als Mimen oder übernahm organisatorische Aufgaben im Hintergrund und trug so maßgeblich zum Gelingen des Ausbildungstages bei.
Ein besonderer Dank gilt außerdem der DLRG Neustadt a.d.Donau sowie der Freiwilligen Feuerwehr Bad Gögging, die ihre Örtlichkeiten für die Ausbildung zur Verfügung stellten und den Bezirks-JET-Ausbildungstag tatkräftig unterstützten.



